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Ein Löwe zum Abschied

Gemeinderäte und Geschäftsleiter offiziell verabschiedet

Sie haben lange darauf warten müssen und es sich redlich verdient: Nun ließen es die Corona-Beschränkungen endlich zu, die „alten“ Gemeinderäte feierlich zu verabschieden: Mit einem Porzellan-Löwen und sehr persönlichen Worten vom Bürgermeister.

„Vor einem halben Jahr hätte sich wohl niemand vorstellen können, dass wir diesen Abschied nun Corona-Like feiern. Wir haben versucht einen schönen Rahmen und die goldene Mitte zu finden“, begrüßte Bürgermeister Harald Reents etwa 40 geladene Gäste im Gemeindesaal:  Ausgeschiedene Gemeinderäte, ihre Partner und die politischen Nachfolger hatten an den Tischen zum 3-Gänge-Menü und der offiziellen Abschiedsfeier Platz genommen.

Für die Demokratie eingesetzt

Das nüchterne Ambiente des Gemeindesaals machten die warmen Abschiedsworte des Bürgermeisters wieder wett. Vor dem Dessert legte der Bürgermeister die Amtskette an und trat auf die Bühne an. Um, wie er sagte, die Wichtigkeit des Moments zu unterstreichen. „Besondere Menschen“ gelte es zu würdigen, die sich für die Demokratie eingesetzt und die Gemeinde weit vorangebracht haben.

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Persönliche Worte für jeden Einzelnen

Den „alten“ Gemeinderäten huschte ein gerührtes Lächeln übers Gesicht, als Reents sich persönlich an jeden Einzelnen wandte.  Franz Leichtle (CSU) etwa, der in den zurückliegenden sechs Jahren „nicht vorwiegend durch Wortgewalt“ aufgefallen sei, aber im Hintergrund gewirkt hat, Katalysator war und den Menschen „von der Metzger-Theke aus“ politische Entscheidungen erklärt habe. Als eher ruhigen Vertreter und wichtige Stimme der Landwirtschaft charakterisierte der Bürgermeister Günther Rottmeier (Einigkeit), der 22 Jahre (1990 – 2002 / 2010 bis 2020) im Rat war. „Er kennt unsere Flur besser als jedes digitale System“, unterstrich Reents.

Die sozialen Stimmen des Gemeinderats

Martina Wilkowski (FW) würdigte Reents als „soziale Seele“, „Frau der Tat“ und „Mensch, der die Probleme der Menschen“ angeht und löst:  „Wir haben viele vertrauensvolle Gespräche geführt“, dankte Reents der langjährigen Jugend- und Sozialreferentin (2008 -2012). Für Senioren und Menschen mit Behinderungen hat sich Konrad Friedrich nachhaltig stark macht: Seniorenumfrage, der Bus nach Erding, ein Kinderarzt, der Behinderten-gerechte Ausbau von Wegen und S-Bahnhof, das Wohnbauprojekt „Mehrgenerationen-Wohnen“: „Der best-angezogenste Gemeinderatsmitglied“, so Reents, habe viele wichtige Anstöße gegeben. „Unvergesslich und zu Tränen rührend“, erinnerte er, war Friedrichs Part bei den jährlichen Seniorenweihnachtsfeiern, die „Konni“ moderierte und mit eindrücklichen Lesungen bereicherte.

Als „Sparkommissar“ hat sich Karl-Heinz Zenker nach Reents Worten einen Namen gemacht. Nach 18 Jahren als Gemeinderat (zunächst Freie Wähler, dann parteilos), sechs Jahre davon auch zweiter Bürgermeister, wurde auch er verabschiedet. Man verdanke dem für seine Beharrlichkeit bekannten Heimatkundler letztlich, dass die Gemeinde nun eine Archivarin hat.

Abschied nach 36 Jahren

Der Bürgermeister war noch ein kleines Kind, als Heinz Bergmeier (SPD) vor 36 Jahren in den Gemeinderat kam. „Von Anfang an mit Durchschlagskraft. Er hat immer seine Meinung vertreten, manchmal auch rauer, aber immer voller Überzeugung“, so Reents. Vereine habe Bergmeier „zu seiner Lebensaufgabe gemacht“, als Referent wie auch als privater, spendabler Gönner. Und natürlich als „Mister Volksfest“, für das er vor 31 Jahren den Anstoß gab.

36 Jahre Gemeinderat, 12 Jahre zweiter Bürgermeister und 18 Jahre: Auf eine beeindruckende politische Karriere darf Josef Niedermair zurückblicken. Reents charakterisierte ihn als verlässlichen, loyalen Berater und „Mann des offenen Wortes“, der ganz wesentlich zur Meinungs- und Entscheidungsbildung beigetragen hat. Er habe am Bau des Sportzentrums großen Anteil gehabt. Seinem Verhandlungsgeschick verdanke die Kommune wichtige Grundstücksgeschäfte. Auch für Niedermair gab‘s zum Abschied eine Porzellanlöwen – und den „letzten Dienststempel“ mit seinem Namenszug.

Feierlicher Verabschiedung: Eine wichtige Sache

Niedermair war es dann auch vorbehalten, die Stimmungslage der Verabschiedeten in Worte zu fassen: „Wow, ich bin fix und fertig. Es ist eine wichtige Sache für uns alle, dass wir hier und heute in diesem Rahmen verabschiedet werden.“ In seinen Worten schwang auch Enttäuschung über das „abrupte“ Ende des „alten“ Kreistags mit: Da habe der Fahrer des Landrats ein Abschiedsgeschenk vorbeigebracht. Er hätte er sich, wie er sagte, einen würdigeren und persönlicheren Abschied gewünscht.

Ein Mann der klaren Worte: Geschäftsleiter Herbert Kestler

„Der Gänswein des Bürgermeisters“, „ein wandelndes Lexikon“ und „die Bank der Gemeindeverwaltung“: Für Herbert Kestler gibt es viele mehr oder weniger hübsche Beinamen, die ihm Wegbegleiter im Laufe der Jahre angedeihen ließen. Vor 42 Jahren, im Oktober 1978 begann er seine Karriere im Rathaus und arbeitete sich vom Verwaltungsinspektor zum Geschäftsleiter hoch.
Was nach einer „trockenen Beamtenlaufbahn“ klingt, so Bürgermeister Harald Reents nun bei seiner Verabschiedung, war „so viel mehr: Herbert lebt bis heute die Gemeinde.“

Aus dem Sitzungsprotokoll des Gemeinderats vom 3. Oktober 1978 ist überliefert, dass es eine „eingehende Aussprache“ über die Einstellung Kestlers gab. „Gerüchten zufolge sprach man hauptsächlich darüber, dass er ein guter Fußballer ist. Das war seinerzeit vielleicht das wichtigste Einstellungskriterium“, schmunzelte Reents. Vier Bürgermeister haben „unter ihm“ gearbeitet, ihn als kompetenten Berater und für seine „ehrliche Stimme“ geschätzt. Der damalige Bürgermeister Ludwig Gruber hatte ihn damals als jungen Verwaltungsinspektor – ins Hallbergmooser Rathaus geholt. Manfred Pointner, Klaus Stallmeister und Harald Reents schätzten sein umfangreiches Wissen, das so manches Aktenstudium ersetzte, seine Loyalität und sein konstruktives Feedback. „Bei so viel Wirken kann man gar nicht alles erzählen“, unterstrich Reents bei der gemeinsamen Verabschiedung von Kestler und den Gemeinderäten. Denn wie sie hatte der 64-Jährige Corona-bedingt dem Rathaus Ende März sang- und klanglos „Servus“ und an seine Nachfolgerin Julia Hollmer die Geschäfte übergeben.

Der Gemeinde und ihren Bürgern verpflichtet

Er selbst, so sagte Kestler nun bei der offiziellen Verabschiedung, sah sich immer der Gemeinde und ihren Bürgern verpflichtet. „Und dies immer mit klaren Worten“, so sein Credo. Dass man sich damit nicht immer nur Sympathien erworben hat, gehört sicherlich zum Job. „Es ist nicht immer alles rund gelaufen, aber das Gesamtbild stimmt“, lautete sein abschließendes Fazit. Von der Wertschätzung, den stehenden Ovationen der Anwesenden und dem Geschenk – dem Gutschein für ein E-Bike im Wert von 3.000 Euro – zeigte er sich sichtlich gerührt.

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