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Stiller Protest

Aktion „Gedeckter Tisch“ – Gastgewerbe fordert Öffnungsperspektiven

Der Tisch ist gedeckt, das Bett gemacht: So wie im Hotel-Gasthof Maisberger (Neufahrn) protestierte gestern deutschlandweit das Gastgewerbe gegen den andauernden Lockdown. © Oestereich

Im Vorfeld der Bund-Länder-Gespräche am 3. März haben gestern deutschlandweit Gastronomen und Hoteliers mit der Aktion „Gedeckter Tisch“ auf ihre prekäre Situation aufmerksam gemacht. Mit dem stillen Protest, an dem sich auch Betriebe im Landkreis Freising beteiligten, fordern sie Öffnungsperspektiven.

Seit März 2020 musste die Branche insgesamt sechs Monate schließen. Angela Inselkammer, Präsidentin des Bayerischen Hotel- und Gaststättenverbandes DEHOGA Bayern, stellt angesichts des aktuellen Corona-Infektionsgeschehens fest: „Die Maßstäbe und Inzidenzwerte, die für Öffnungen in anderen Branchen gelten, wie zum Beispiel Einzelhandel und auch Baumärkte, müssen auch für das Gastgewerbe gelten. Einen fortgesetzten Teil-Lockdown während andere öffnen dürfen, akzeptieren wir nicht.“

„Es reicht jetzt! Wir brauchen Öffnungsperspektiven“, betonte auch Claudia Maisberger. Sie betreibt mit ihrer Familie den gleichnamigen Hotel-Gasthof in der Neufahrner Bahnhofstraße. Die Situation im Gastgewerbe macht sie am Beispiel ihres Betriebes deutlich: Man habe alles Erdenkliche getan, um mit Hygienekonzepten für die Sicherheit von Gästen und Personal zu tun. „Und jetzt wird so getan, als wären wir die Superspreader“, sagt sie kopfschüttelnd.

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Nicht länger Sonderopfer-Rolle

Dabei habe das Gastgewerbe, so Bayerns DEHOGA-Präsidentin Angela Inselkammer, ein sehr viel weitreichenderes Konzept als der Handel. Dass Hotellerie und Gastronomie kein Pandemietreiber sei, habe das RKI vergangene Woche in seinem Control-Covid-Plan bestätigt. Vielmehr sei der „Teil-Lockdown“ ab November eine politische Entscheidung gewesen. „Das Gastgewerbe darf nicht länger die Sonderopferrolle aufgebürdet bekommen. „Wenn vergleichbare Branchen wie Baumärkte wieder öffnen dürfen, muss es auch im Gastgewerbe wieder losgehen.“

Gerade mal 10 bis 15 Prozent des gewöhnlichen Umsatzes macht der Betrieb der Maisbergers aktuell unter der Woche – ausschließlich mit Gästen, die beruflich unterwegs sind. Am Wochenende tendiert das Geschäft, so Maisberger, gen Null. Das Kurzarbeitergeld kommt zwar an. Die von der Regierung beschlossenen Unternehmenshilfen fließen dagegen spärlich. „Wir müssen an unsere Reserven gehen.“ Ohnehin sind finanzielle Hilfen nur ein Tropfen auf den heißen Stein – und nicht nur für die Gastronomie existenzgefährdend, sondern für viele, die dranhängen: Lieferanten und Wäschereien beispielsweise.

Branche fordert Öffnungskonzepte


Was der Branche am meisten zu schaffen macht ist, ist die Perspektivlosigkeit: „Wir wissen einfach nicht, wann und wie es weitergeht“, beklagt Maisberger. Und die Ungleichbehandlung. Frisöre, Nagelstudios, Blumenläden: Sie durften am 1. März wieder öffnen. „Unsere Bedienung ist nicht so lange am Gast wie beispielsweise ein Frisör“, unterstreicht sie. Und: „Zusperren heißt doch, dass sich alles ins Private verlagert. Da ist alles viel enger als in Gaststätten mit ihren weitreichenden Registrierungs-, Abstands- und Hygienekonzepten. Die Situation gerät doch da viel leichter außer Kontrolle.“

Maisberger stellt klare Forderungen an die Politik: Die uneingeschränkte Öffnung von Hotels und Gaststätten. Also nicht nur „draußen“ oder bis 20 Uhr. Die Politik sei nun gefordert, verantwortbare Konzepte auf den Tisch zu legen. Das ständige „Auf und Zu“, die ausschließliche Orientierung an Inzidenzwerten: Das kann’s aus ihrer Sicht nicht sein.

Gesellschaft, Topnews

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