In Hallbergmoos will ein Vereinsmitglied den „Heimat- und Traditionsverein“ in „Krieger-, Soldaten- und Heimatschutzverein“ umbenennen. Der Vorschlag sorgt für Wirbel.
Es ist ein überraschender Vorschlag, den Sebastian Hausler da macht. Der 69-Jährige, nach eigenen Angaben jüngstes Mitglied des Hallbergmooser Heimat- und Traditionsvereins, möchte den Namen seines Vereins ändern – zurück zum ursprünglichen „Krieger-, Soldaten- und Heimatschutzverein“.
„Die Gefallenen, Vermissten und Kriegsopfer kommen zu kurz“, beklagt der ehemalige Polizist und frühere CSU-Gemeinderat. Der Verein, so seine Kritik, entferne sich zunehmend von seinem ursprünglichen Zweck: dem Gedenken an die Opfer von Gewaltherrschaft und der Mahnung vor Unrecht. Stattdessen plane man sogar, den traditionellen Kriegerjahrtag abzuschaffen.
2013: Neuausrichtung zur Modernisierung
Dabei war es gerade diese Neuausrichtung, die dem 1873 gegründeten Verein heute trägt: 2013 änderte man die Satzung und widmete sich fortan primär der Geschichtsarbeit – ein Modernisierungsakt, der offenbar zieht: 85 neue Mitglieder kamen hinzu, darunter viele Frauen. „Die meisten haben gesagt, sie treten dem Verein bei, weil es jetzt kein Kriegerverein ist“, erläutert der langjährige Vorsitzende Karl-Heinz Zenker, ein pensionierter Oberstleutnant der Bundeswehr.
Friedensarbeit
Die gegenwärtige Weltlage jedoch bestärkt Hausler in seinem Ansinnen. Angesichts der Kriege und Konflikte in Europa und der Welt müsse man die Menschen dafür sensibilisieren, „dass man für Freiheit und Demokratie auch etwas leisten und bereit sein muss, sich zu verteidigen“. Mit einem Einstein-Zitat untermauert er seine Position: „Die Welt wird nicht bedroht von den Menschen, die böse sind, sondern von den vielen, die danebenstehen und sie gewähren lassen.“
Hauslers Vision geht über traditionelles Gedenken hinaus. „Friedensarbeit“ nennt er den Auftrag, den er dem Verein zuweisen möchte. Frauen sollen gleichberechtigt einbezogen, nicht ausgeschlossen werden. Soldatinnen und Soldaten, Angehörige von Polizei und Justiz – sie alle sollen sich angesprochen fühlen.
Überalterung trotz Neuausrichtung
Ein pragmatisches Argument führt er ebenfalls ins Feld: Die Neuausrichtung habe den Verein nicht vor der Überalterung bewahrt. Mit seinen 69 Jahren ist Hausler nach eigener Darstellung das jüngste Mitglied. Zwar seien 85 neue Mitglieder hinzugekommen, „aber keine jungen Menschen mehr“.
Austritte drohen
Der Widerstand gegen Hauslers Vorschlag ist beträchtlich. Die gesamte Vorstandschaft positioniert sich dagegen, wie Zenker sagt. Viele Frauen hätten für den Fall einer Umbenennung ihren Austritt angekündigt. Zudem hat der Verein erhebliche Summen für eine neue Vereinsfahne und einheitliche Ausstattung investiert.
Hausler ist sich der Brisanz seines Vorschlags bewusst. Der Begriff „Heimatschutz“ sei historisch und politisch belastet, räumt er ein – die Nationalsozialisten missbrauchten ihn für ihre völkische Ideologie. Von dieser distanziert er sich ausdrücklich. Die Bundeswehr verwendet „Heimatschutz“ für die Ausbildung und den Einsatz von Reservisten zum Schutz der Infrastruktur und bei der Unterstützung ziviler Rettungsdienste.
Am heutigen Sonntag, 7. September, diskutierten um 11 Uhr die Vereinsmitglieder über Hauslers Antrag. Von den 160 Mitgliedern haben sich bereits 40 angemeldet.