Servus, altes Haus!

Die Freiwillige Feuerwehr Goldach verabschiedet sich von vier Jahrzehnten Geschichte – und blickt mit 92 aktiven Mitgliedern, einer wachsenden Jugendgruppe und einem Neubau im Rücken zuversichtlich in die Zukunft

© FF Goldach / Rainer Hellinger

Wenn eine Ära endet, ist dies mit Emotionen, Wehmut und Dankbarkeit verbunden. Als Stephan Zobel, Erster Kommandant der Freiwilligen Feuerwehr Goldach, nun die Jahreshauptversammlung eröffnete, lag über den Räumen des alten Feuerwehrhauses eine Mischung aus Wertschätzung für Vergangenes und Vorfreude. Denn es war das letzte Mal, dass sich die Feuerwehrleute dort zum Jahrestreffen zusammenfanden. Im Herbst steht der Umzug in das neue Feuerwehrhaus an.

Seit 1987 ist die Wehr in dem Gebäude beheimatet: „Es bewegt mich schon sehr. Diese Mauern sind mit mir alt geworden. Ich habe hier den 30., 40., 50. und 60. Geburtstag gefeiert“, bekannte Zobel vor versammelter Mannschaft. Neben vielen Mitgliedern waren auch Bürgermeister Benjamin Henn, Reinhold Jasch (Kreisbrandinspektion), Michael Ertl (Leiter der Polizeiinspektion Neufahrn) und Gemeinderäte erschienen.

92 Mitglieder und eine engagierte Jugendgruppe

Die Zahlen der Gegenwart weisen nun in eine vielversprechende Zukunft: 92 Aktive zählt die Wehr – ein Wachstum von 20 Prozent seit 2014, die der Kommandant mehrfach als „sensationell“ bezeichnete. Großen Anteil daran hat die neu gegründete Jugendgruppe. Bei der Informationsveranstaltung hatten sich 38 Jugendliche zwischen zwölf und 15 Jahren eingefunden – 32 davon sind bis heute dabei. Jugendleiter Andreas Voigt, der mit spürbarer Begeisterung von „seinem“ Team berichtete, beschrieb das Programm: Alle zwei Wochen freitags von 17 bis 19 Uhr wird ausgebildet. Themen wie Fahrzeugkunde, Knoten, Notruf und erste Hilfe stehen auf dem Plan. Als Höhepunkt nannte er den Besuch bei der Integrierten Leitstelle München – ermöglicht durch einen Kameraden, der dort hauptberuflich arbeitet. Für 2026 sind die Jugendflammen-Abzeichen geplant.

307 Einsätze – und eine Geschichte, die bewegt

307 Einsätze mit insgesamt 730 geleisteten Stunden verzeichnete die Wehr im vergangenen Jahr. Beim Thema First Responder – dem schnellen Erstzugang bei medizinischen Notfällen vor Eintreffen des Rettungsdienstes – übernahm Andi Dobmeier das Wort. 226 Alarmierungen zählte das Team; in über 60 Prozent der Fälle war man innerhalb von einer bis sieben Minuten vor Ort. „Das ist eklatant gut und in vielen Fällen entscheidend“, unterstrich Zobel.

Besonders eindringlich schilderte Dobmeier zwei Einsätze des Jahres. Einer davon betraf eine junge Frau Mitte 20, die während der Versorgung reanimiert werden musste und über mehrere Krankenhäuser hinweg intensivmedizinisch behandelt wurde. Nach 146 Tagen wurde sie entlassen. Zur Christbaumversteigerung der Wehr erschien sie gemeinsam mit ihrer Familie – um persönlich Danke zu sagen. Stille im Saal. Andi Dobmeier zum glücklichen Ende eines lebensrettenden First Resonder Einsatzes bei einer jungen Frau:

„Es hat uns zu schaffen gemacht – aber auch bestätigt, dass das, was wir tun, einen Sinn hat.“

Zobel nutzte den Moment auch, um auf die psychische Belastung der Einsatzkräfte hinzuweisen.

Volle Vereinskasse, Ehrungen und ein Gastrogrill als Dankeschön

Kassier Rudi Hamburger hatte an diesem Abend gleich doppelt gute Nachrichten im Gepäck. Die Finanzen der Feuerwehr sind geordnet: Die Vereinskasse verbucht einen Gewinn von 1.590 Euro, und einen historischen Kontostand im fünfstelligen Bereich. „Das funktioniert nur, wenn alle miteinander ziehen“, sagte Vorsitzender Lackermeier – und meinte damit ausdrücklich auch die Spender, von denen einzelne per Dauerauftrag fast tausend Euro im Monat überweisen. In Zeiten, in denen das Wort Bezahlbarkeit in vielen Haushalten eine neue Bedeutung bekomme, sei das keine Selbstverständlichkeit.

Für den gesellschaftlichen Zusammenhalt stehen auch die Vereinsveranstaltungen: Das Lampionfest, bewusst als Familienfest mit moderaten Preisen angelegt, zählte zu den Höhepunkten des Jahres. Besonders in Erinnerung blieb der Neunzigste von Karl Held, der dem Verein kurz darauf einen Gastrogrill schenkte.

Einen besonderen Akzent setzte die Versammlung mit mehreren Ehrungen. Marco Putzke (10 Jahre), Ralf Wüstling, Christian Helminger (je 25), Wolfgang Trapp und Michael Rothkopf (je 30) wurden für ihre Engagement im aktiven Dienst ausgezeichnet. Für langjährige Vereinszugehörigkeit geehrt wurden Atsadawuth „Joy“ Sangang (10), Marianne Lachner, Florian Pretzl, Martina Reichmann, Jens Voges (alle 20), Resi Frank, Therese Westermeier, Robert Heilmair, Johann Helminger sen., Michael Rothkopf (alle 40), Erwin Helkert, Helmut Mittermeier (beide 40) und Josef Wimmer für sage und schreibe 70 Jahre Mitgliedschaft.

Neubau und Aufbruch: 2026 als Jahr der Veränderung

Das dominierende Zukunftsthema des Abends war der Neubau des Feuerwehrhauses, dessen Fertigstellung für August 2026 geplant ist. „Wir werden etappenweise umziehen“, erklärte Zobel. Der Bau laufe ausgezeichnet, das Projekt werde durch die Gemeindeverwaltung „wirklich toll“ unterstützt. Lackermeier rief die über 1.500 passiven Mitglieder sowie alle Unterstützer dazu auf, beim Umzug im Herbst aktiv mitzupacken: „Jede helfende Hand ist wichtig.“

Bürgermeister Benjamin Henn, der bewusst den Dialog mit den Anwesenden suchte, unterstrich:

„Die Sicherheit der Bürgerinnen und Bürger zu gewährleisten – das ist nicht bezahlbar.“

Dem schloss sich der Vertreter der Kreisbrandinspektion, Reinhold Jasch, an. Er lobte die reibungslose Zusammenarbeit.

Lackermeier schloss den Abend mit einem Appell, der über das rein Organisatorische hinausging. In einer Zeit gesellschaftlicher Unsicherheit rief er zu persönlicher Verantwortung auf und erinnerte mit einem Gandhi-Zitat daran, dass Veränderung beim Einzelnen beginne.

„Sei selbst die Veränderung, die du dir wünschst für diese Welt.“
(Mahadma Ghandi)

„Wir haben vieles selbst in der Hand“, sagte Lackermeier – und ermutigte die Mitglieder, die Gemeinschaft als Privileg zu sehen und nicht als Pflicht.

Das neue Gebäude wird geräumiger, moderner, effizienter sein. Nun liegt es an den Menschen, es mit Leben und Leidenschaft für Rettungswesen zu füllen. Daran mangelt es der Feuerwehr Goldach, das hat dieser Abend gezeigt, nicht.

Gut zu wissen: Statistik 2025
Mitgliederstand: 92 (davon 26 im Alter von 12 bis 15 Jahre), 4 Zugänge, 2 Austritte (wegen Wegzug)
Geleistete Stunden: 4.445
• Einsätze: 730
• Übungen: 1.012
• Lehrgänge: 152
• Allgemeine Verwaltung: 2.551
First Responder: 226 Einsätze

Gesellschaft, Topnews

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