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Personalmangel bremst Projekte aus

Bürgerversammlung in Hallbergmoos: Die Gemeinde hat trotzdem viel vor

Bürgermeister Josef Niedermair (CSU) informierte über die Entwicklung der Gemeinde Hallbergmoos. Foto: Eva Oestereich

Die kleine Corona-Delle des Vorjahres ist längst ausgebügelt. Die Gemeinde wächst wieder und im Rathaus schmiedet viele Pläne. Hätte man nicht mit Personalmangel zu kämpfen, könnte noch viel mehr passieren. Dies zeigte Bürgermeister Josef Niedermair nun in der Bürgerversammlung auf.

Den gut zweistündigen Informationsmarathon eröffnete er mit dem guten Gefühl, dass die Bevölkerung offenbar
nicht viel auszusetzen hat: „Die Leut‘ sind zufrieden, sonst wären mehr da.“ Die Reihen im Gemeindesaal waren spärlich besetzt, überwiegend von Gemeindebeschäftigten und Räten. Ein Umstand, der wohl dem hochsommerlichen Wetter geschuldet war – und der Möglichkeit, die Versammlung per Livestream
zu verfolgen.

200 Neubürger pro Jahr

200 Neubürger gewinnt die Kommune jährlich dazu, 11.421 Einwohner sind es aktuell (Stand: 31.12.2021). Der sprung-hafte Anstieg im April 2022 (+200) ist dem Ukraine-Krieg geschuldet. Viele Flüchtlinge kamen privat im Ort unter.

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Altersdurchschnitt leicht gestiegen

Minimal angestiegen ist der Altersdurchschnitt: von 38,9 auf 39,0. Bayernweit gehört Hallbergmoos immer noch zu den „jüngsten“ Kommunen. Es gibt deutlich mehr Geburten als Sterbefälle.

Bürger aus 94 Nationen

77 % der Hallbergmooser haben die deutsche Staatsangehörigkeit, 23 Prozent (2590 Personen) sind Ausländer aus insgesamt 94 Nationen. Am stärksten vertreten sind Rumänen (398), gefolgt von Türken (276) und Kroaten (244).  „Hallbergmoos ist sehr bunt. Da kann jeder von jedem lernen,“ so Niedermair.

Über 1000 Kita-Plätze

Eine „echte Hausnummer“ ist laut Niedermair das Kinderbetreuungsangebot: Gut 1000 Plätze gibt es von der Krippe
bis zum Hort. Allerdings schlägt – wie auch in anderen öffentlichen Bereichen – der Fachkräftemangel massiv durch. Gruppen können deshalb nicht zur Gänze belegt werden. Trotz vieler Anreize für Arbeitnehmer, so Niedermair, habe man mit Personalnot zu kämpfen. Im Bauamt genauso wie in Kitas.

Investitionen: Die bessere Geldanlage

Dass sich die Kommune viele Investitionen – etwa für freiwillige Leistungen wie den Badeweiher, Sportflächen oder Vereine – leisten kann, hob der Bürgermeister explizit hervor: 60 Millionen Euro habe man auf der hohen Kante und heuer voraussichtlich 37 Mio. € Gewerbesteuereinnahmen.
Angesichts von Strafzinsen bei der Bank, seien Investitionen die bessere Geldanlage. Knapp 24 Millionen Euro fließen 2022 in Grundstückkäufe, unter anderem für eine Gewerbegebietserweiterung (9 Mio. €).

Kommunaler Wohnungsbau

Für den kommunalen Wohnungsbau in der Predazzoallee, der Anfang 2023 starten soll, plant man knapp 9 Mio. € ein. Noch ein gutes Stück entfernt ist man mangels personeller Kapazitäten von der Realisierung des geplante Mehrgenerationen-Haus im Tassiloweg mit 80 Wohnungen (ca. 27 Mio. €). Die Ausschreibung für die neue Goldacher Feuerwache (ca. 7 Mio. €) ist für diesen Herbst anvisiert. Der Ausbau der Hallbergmooser Wache gestalte sich indes laut Niedermair „a bissl schwieriger“, weil die katholische Kirche in München „unverschämte Preise“ für die benötigten Stellplätze aufgerufen haben. Es werde nun nachverhandelt. Auch beim Badeweiher sei „Zug drin“ und die Feinabstimmung in vollem Gange. Die Verlängerung der Predazzoallee (inklusive Kreisverkehr an der Maximilianstraße) werde, so Niedermairs Hoffnung „noch während meiner Vertragslaufzeit“ beginnen.

Gut sei die Stimmung und Nachfrage im Munich Airport Business Park, wo 263 Unternehmen für einen beträchtlichen Teil des Gewerbesteuereinkommens generieren. Dort etabliere sich, so Niedermair, ein Biotech-Standort. Nicht weit davon wird das Work-Life-Quartier mit der Surftown gebaut. Und, wenn es nach der Kommune geht, mit einem 37 Hektar großen Solarpark ein weiteres Vorzeigeprojekt.

„Da kann uns keiner den Gashahn zudrehen.“

Niedermair warb ausdrücklich dafür: „Die beste Energie ist diejenige, die wir selbst erzeugen. Dann kann uns keiner den Gashahn zudrehen.“ Die Flächen liegen im Naturschutzgebiet. Der Kreisrat entscheidet, ob das Projekt verwirklicht wird. „Das ist reiner Acker. Da gibt es keinen Strauch, keinen Baum, es wird gesät, gespritzt und gedüngt“, unterstrich der Bürgermeister. Wenn dort regenerative Energie erzeugt würde, so seine Überzeugung, „hätte die Natur mehr davon.“

Den Bürgerinnen und Bürgern stand der Gemeindechef Rede und Antwort. Foto: Eva Oestereich

Eine bessere ÖPNV-Anbindung an die U-Bahn in Garching: Das wäre ein dringender Wunsch, der in der Bürgerversammlung an Gemeindechef Josef Niedermair herangetragen wurde: „Da kann ich nur beipflichten. Wir bleiben dran“, versprach Josef Niedermair. Man werde mit dem MVV und Landkreis darüber verhandeln.
Für Unmut sorgt der Brückenbau an der derzeit gesperrten Goldacher Hauptstraße (Kreisstraße FS 12): Weil Autofahrer, die von und nach Erding fahren, die „kurze“ und für sie nicht erlaubte Route über die Straße „Am Bach“ und die Schönstraße nehmen und das eingerichtete Tempolimit (30 km /h) oftmals missachten. „Das ist nicht so prickelnd für die
Bürger“, weiß der Bürgermeister. Bauamtsmitarbeiter seien regelmäßig an der Baustelle des Landkreises, um den Baufortschritt zu beobachten. Er bat um Geduld und Rücksichtnahme. Man habe die Polizei schon eingeschaltet: „Das funktioniert dann zwei Tage besser. Dann war’s das leider wieder.“

Den Kauf der Senderwiese regte ein anderer Bürger an: „Wir würden ja gerne. Wir können noch fünf Mal anfragen. Aber wenn der Eigentümer nicht will, haben wir keine Möglichkeit.“ Die Nordumfahrung, so seine Antwort auf eine weitere Anfrage, sei aktuell zwar nicht sonderlich befahren, werde aber künftig gute Dienste leisten: dann nämlich, wenn der Schwerverkehr im Gewerbebiet mehr wird und um den Ort herumgeleitet
werde.

Skepsis gegenüber Mobilitätskonzept

Eine hitzige Aussprache folgte der Frage eines Anwohners nach Anwohner- Parkausweisen für die Siegfriedstraße: „Eigentlich sollten genügend Parkplätze auf dem jeweiligen Grundstück vorhanden sein“, so die Antwort des Gemeindechefs. Kein Verständnis habe er für die Zweckentfremdung von Garagen – als Abstellflächen für „Krimskrams“.
Ungehalten reagierte der Bürgermeister auf den Vorhalt des Anwohners, der Wohnbauprojekt auf dem ehemaligen Bäcker-Weiß-Gelände mit integrierten Mobilitätskonzept werde nicht funktionieren. Man sei schließlich auf dem Dorf und nicht in München, ein Car-Sharing im Ort bereits gescheitert und die Siegfried-Straße für das Konzept zu schmal, meinte der Bürger. „Wir müssen Wohnraum schaffen, dichter bebauen, weg vom Auto und uns weiterentwickeln“, brach Niedermair eine Lanze für das Pilotprojekt. „Woher wollen Sie wissen, dass es nicht funktioniert? Wir müssen es probieren“, so Niedermair. Das Areal in der Ortsmitte sei der richtige Ort dafür – und andere Kommunen schon viel weiter in Sachen Mobilitätskonzept. Über das Parkraum-Konzept und die Frage von Parkausweisen wird der Gemeinderat laut Niedermair in seiner nächsten Sitzung behandeln.

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