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Kinderzimmer für Eichhörnchen

Wolfgang Reiland hat Auffangstation für verwaiste Jungtiere eingerichtet

Zimmer mit Aussicht: Sechs verwaiste Eichhörnchen leben nun in einer Voliere am Rande des Goldachparks in Hallbergmoos

Von März bis September bekommen Eichhörnchen Nachwuchs. Wenn die Jungtiere aus dem Nest fallen oder den Anschluss an ihre Familie verlieren, suchen sie die Nähe zum Menschen. Leider passierte es oft, dass sie sich in menschlicher Umgebung „verheddern“. Etwa wenn sie in Gullideckeln stecken bleiben. Dann brauchen sie Hilfe: In München rettete der Eichhörnchen Schutz e.V. allein in diesem Jahr schon 800 Tiere. Nun haben ein paar der kleinen Nager ein wunderschönes Zuhause in Hallbergmoos gefunden: Wolfgang Reiland hat in seinem Garten am Rande des Goldachparks eine Auffangstation eingerichtet – und da wuselt es seit ein paar Tagen mächtig.

Sechs Findelkinder haben neues Zuhause

Sechs Jungtiere hat der Vereine in Reilands Obhut gegeben. Die verwaisten Findelkinder wurden etwa Ende August, Anfang September geboren und von einer Tierärztin erst einmal aufgepäppelt und mit der Flasche aufgezogen. Bis sie im kommenden Frühjahr ausgewildert werden können, leben sie nun in einer Voliere in Reilands Garten.

Alles begann mit Gulliver und Olivio

Wie er Ziehvater wurde, berichtet Reiland dem HALLBERGER: „Ich habe vor einigen Monaten im Münchner Merkur die Berichte über zwei Eichhörnchen gelesen. Eines bekam den Namen Gulliver, weil es in einem Gullideckel feststeckte. Das andere wurde auf Olivio getauft, weil es mit Olivenöl übergossen werden musste, um es aus einer misslichen Lage befreien zu können“, erinnert sich Reiland. Mitte September kontaktierte er den Verein und bot seine Hilfe an. Die Reaktion kam prompt: Zwei Vorstandsmitglieder standen kurz darauf vor Reilands Tür und schauten sich die Örtlichkeit an. „Sie waren begeistert vom Goldachpark und sagten, so etwas hätten sie noch nie gesehen“, erzählt Reiland.

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Sechs kleiner Nager-Babys hat sich Wolfgang Reiland angenommen. © Oestereich

Ein kleines Tollhaus

Nun, vor wenigen Tagen, sind sechs Eichhörnchen schon bei ihrem Ziehvater eingezogen. Seitdem ist mächtig Leben in der Bude, die Voliere ein kleines Tollhaus. Äste, Seile, ausrangierte Feuerwehrschläuche, Kobel zum Schlafen, hängende Wolltaschen, ein Schiff, eine Kokosnuss, Vogelhäuschen und ein Stoffschlauch eines schwedischen Möbelhaus: Die „Wohnaccessoires“ machen die Voliere zu einem Paradies für die tagaktiven Nager, die nicht in Winterschlaf gehen. Sogar zwei Apfelbäumchen, die schon da waren, hat Reiland integriert. Mit bis zu 25 km/h sind Eichhörnchen in der Natur unterwegs, ernähren sich von Nüssen, Samen und Früchten. Hasel- und Walnüsse, Sonnenblumenkerne, Äpfel, Karotten oder Maiskörner gibt‘s natürlich auch täglich am Büffet in Reilands Garten. Und weil die Tiere Handaufzuchten sind, sind Emmi – sie ist die zutraulichste -, Hardy, Tante Ruth, Trump und Barack, wie sie Reiland getauft hat, auch nicht sonderlich scheu.

Kinderstube mit allem Drum und Dran: Die Voliere hat alles, was Eichhörnchen zum artgerechten Aufwachsen brauchen. © Oestereich

100 Stunden aufgebaut

Die Auffangstation hat Reiland mit Tipps der Schutzvereins eigenhändig gebaut und eingerichtet: „Bestimmt 100 Stunden habe ich für den Aufbau und die Einrichtung gebraucht.“ Vorgefertigte Bauteile der Voliere, Dach und Seitenverkleidung aus Plexiglas bilden die Einhausung. 950 Euro gab’s aus dem Topf des Arbeitskreises, den die Gemeinde zur Verfügung stellt. Holz und Rindenmulch hat Landschaftsgärtner Rudi Zeilhofer spendiert, das Fundament hat Bauunternehmer Hermann Hartshauser gratis gelegt. Der Bauhof hat die Baumscheiben geschnitten, Mitglieder des Arbeitskreises Goldachpark haben mitangepackt.

Genau hinschauen! Hier spitzt das rote Köpfchen eines Eichhörnchens aus dem Kobel heraus. © Oestereich

Goldachpark soll neue Heimat werden

Als Reiland vor einigen Jahren die Schaffung des Goldachparks anstieß, war eines der Ziele, dort auch Eichhörnchen anzusiedeln. „Ich habe damals schon den Landschaftsplaner gebeten, Bäume und Sträucher zu pflanzen, die auf der Nahrungsliste von Eichhörnchen stehen. Die Eichhörnchen bauen dort auch ihre Kobel – sind dort für ihre Feinde wie Fuchs, Marder, Greifvögel, Eulen, Hunde und Katzen – unsichtbar.“ Zwei Eichhörnchen haben sich tatsächlich im Goldachpark niedergelassen, weiß der AK-Leiter aus eigener Beobachtung. Leider aber bisher ohne Nachwuchs.

Zaungast: Auf einen Snack kommt regelmäßig ein Artgenosse aus dem Goldachpark vorbei.

Nachbar kommt auf einen Snack vorbei

Eines davon ist nun regelmäßiger Zaungast: „Ich hatte die beiden Eichhörnchen eine ganze Weile nicht mehr gesehen – bis zu dem Zeitpunkt als die Jungtiere in die Auffangstation eingezogen sind.“ Nun schaut der Nachbar aus dem Goldachpark öfter auf einen „Snack“ vorbei, schnappt sich ein paar Nüsse aus dem „Vogelhäuschen“, das Reiland an der Außenwand der Voliere für den Gast angebracht hat, und vergräbt sie als Wintervorrat. „50 bis 60 Nüsse vergräbt ein Eichhörnchen da schon mal.“ Und gelegentlich wird auch mal etwa übersehen, das im Frühjahr dann auskeimt: „Nicht umsonst sagt man: Ein Eichhörnchen ersetzt zehn Förster“, schmunzelt Reiland.

Auswilderung im Mai

Bis Mai nächsten Jahres werden die Jungtiere in der Voliere leben, dann werden sie ausgewildert und ihren Artgenossen im Goldachpark Gesellschaft leisten. Man kennt sich ja schon.

Nüsse und Sonnenblumenkerne sind die Leibspeise von Eichhörnchen.

Der Eichhörnchen Schutz e.V. ist ein gemeinnütziger Verein, der verwaiste Eichhörnchen rettet und Tipps gibt, was zu tun ist, wenn man ein hilfloses Tier auffindet. Allein im Raum München hat der Verein in diesem Jahr rund 800 Tieren helfen können. Infos unter www.eichhoernchen-schutz.de, auf Facebook und Instagram. Die Notfallnummer (0176/55 37 68 64) ist 24 Stunden erreichbar. Fördermitglieder sind natürlich jederzeit willkommen.

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