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Kampf gegen den Krebs

Pieris Pharmaceuticals erforscht Wirksamkeit von Antikalinen

Egal welchen Namen man ihm gibt, ob Krebs, ob bösartiger oder maligner Tumor: Für Hunderttausende Menschen ist das jährlich eine Horrordiagnose! Unkontrolliert wachsende Tumorzellen dringen dabei in Gewebe ein, breiten sich über Blutgefäße oder Lymphbahnen aus und siedeln sich in anderen Organen an. Viele dieser Krebszellen werden vom Immunsystem erkannt und unschädlich gemacht. Dafür müssen Krebszellen an ihrer Zelloberfläche Merkmale tragen – sogenannte tumorassoziierte Antigene (TAA) – die sie für das Immunsystem erkennbar machen. Aber es werden eben nicht alle Tumorzellen vom Immunsystem ausgeschaltet, schmuggeln sich an den körpereigenen Immun-Wächtern vorbei und einwickeln sich weiter. Sie machen sich „unsichtbar“, indem die Tumorzellen keine Antigene präsentieren oder diese als körpereigene tarnen. Wieso ist das so? Was geht hier im Körper ab? Das versucht die Immuno-Onkologie zu verstehen, zählt damit die zu den innovativsten medizinischen Forschungsfeldern und ist damit ein immenser Hoffnungsträger in der modernen Krebstherapie. Und einer, der hier mitspielt ist das Biotech-Unternehmens Pieris Pharmaceuticals in Hallbergmoos.

Inkubator in Hallbergmoos

Die deutsche Pieris F&E Niederlassung ist vor wenigen Wochen vom Innovations- und Gründerzentrum Biotechnologie (IZB) Freising nach Hallbergmoos umgesiedelt. Hitto Kaufmann ist seit wenigen Monaten bei Pieris an Bord. Der 49-jährige Biotechnologe mit Promotion in Zellbiologie hat einen beeindruckenden Werdegang mit zahlreichenden langen Auslandsaufenthalten. Er war elf Jahre bei Boehringer Ingelheim und fünf Jahre bei Sanofi, bevor er nach Hallbergmoos kam und nun für den Standortaufbau Hallbergmoos zuständig ist.

Kaufmann hofft für Pieris, in Hallbergmoos nicht alleine zu bleiben, er möchte als erster Anker zahlreiche weitere Biotech Firmen anziehen. Scheint zu klappen, denn in wenigen Wochen wird mit „Metabolon“ ein weltweit führendes Gesundheitstechnologieunternehmen sein Firmenschild in Hallbergmoos anbringen. „Der Standort könnte ein Inkubator werden“, so Kaufmann. Primär war jedoch erst einmal wichtig, das Unternehmen Pieris weiter zu entwickeln und „dafür brauchten wir Platz, vor allem für unsere 130 Mitarbeiter, Zellbiologen, Chemiker, Pharmazeuten und auch Datenanalysten. Denn“, da ist sich Kaufmann sicher, „die Datenmengen und somit auch -verarbeitung wird exponentiell zunehmen.“ Hier muss, schon alleine aufgrund der Effektivitätssteigerung noch viel passieren. Und das wird es auch.“ Für den Standort Hallbergmoos spreche zudem, dass hier genügend Platz für die Labore ist. In München etwa gebe nur wenige Angebote für Laborflächen. „Unsere deutschen Labore schauen annähernd so aus wie vor 50 Jahren. Auch hier wird sich in den kommenden Jahren sehr viel verändern automatisierte Datenverarbeitung und Hochdurchsatz-Datenanalyse werden Einzug halten.“

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Ein Excellence-Startup

Pieris ist ein Parade Startup, hinter der Gründung des Unternehmens steckte maßgeblich eine Person, Arne Skerra. Im Laufe seiner Karriere hat er mehr als 30 Patentanmeldungen schützen lassen. Skerra ist Träger der Heinz Maier-Leibnitz Medaille der TU München, wurde 2004 für den deutschen Zukunftspreis nominiert und 2005 mit dem Karl Heinz Beckurts Preis für seine Arbeiten auf dem Gebiet der molekularen Biotechnologie und der Entwicklung des „Anticalin®“-Protein ausgezeichnet.
Als eine Ausgründung des Lehrstuhls für Biologische Chemie der TU München im Jahr 2001 gestartet, ist Pieris durch einen Tausch von Unternehmensanteilen seit 2015 an der US-Börse NASDAQ notiert und hat seitdem seinen nominellen Hauptsitz in Boston. Unter der Leitung des jetzigen CEO Stephen Yoder schloss Pieris im Jahr 2017 einen bis zu zwei Milliarden US Dollar schweren Deal mit dem britisch-schwedischen Pharmakonzern AstraZeneca und tat damit den Schritt zu einem voll integrierten Unternehmen der Arzneimittelenwicklung. Ein Jahr später manifestierte Pieris die Zusammenarbeit mit Seattle Genetics, die Pieris bis zu 1,2 Milliarden US Dollar einbringen kann. „Wir wollen in fünf bis zehn Jahren im Sektor der Pharmaindustrie von der Forschung und Entwicklung bis zur Zulassung mitspielen,“ betont Kaufmann.

Aufspüren und vernichten

Antikörper, Eiweißstoffe des Immunsystems, gelten bisher als universelle biochemische Werkzeuge, mit denen sich molekulare oder zelluläre Strukturen erkennen, binden und markieren lassen. Skerra hat das Wirkprinzip der Antikörper auf andere Proteine, die Lipocaline, übertragen und somit künstlich hergestellte Proteine, die Anticaline®, geschaffen. Sie sind einfacher aufgebaut, kostengünstig herzustellen und lassen sich an andere Proteine ankoppeln. Man kann sie mit Eigenschaften ausstatten oder auch zu einer definierten Verweildauer im Körper veranlassen. Zudem sind sie wesentlich kleiner als herkömmliche Antikörper, so dass sie einfacher in Gewebezwischenräume eindringen können und als inhalierbarer Wirkstoff verabreicht werden können.

Innovative Medikamente

Erst im 21. Jahrhundert waren die vielfältigen Interaktionen zwischen Krebszellen und dem Immunsystem ausreichend untersucht, um neue Wege in der Krebstherapie zu beschreiten. Beim Nierenkrebs und dem malignen Lymphom stehen verheißungsvolle immun-onkologische Medikamente bereits in den Startlöchern.  Ein Haupteinsatzgebiet der Anticaline® sind ebenfalls Tumorerkrankungen. Im Gegensatz zu einer Chemo- oder Strahlentherapie jedoch, die den Tumor direkt angreifen, sollen die Anticaline® die Oberflächenstruktur von Krebszellen erkennen und gezielt Immunstimulatoren an den Tumor leiten. Man will das das eigene Immunsystem so zu stärken, dass es die Tumorzellen von sich aus angreift. „Das könnte ein weiterer großer Durchbruch in der Medizin sein!“, ist sich Kaufmann sicher. Denn die Anticaline® seien wesentlich spezifischer als etwa eine Chemotherapie und auch mit wesentlich weniger Nebenwirkungen. Ein weiterer Schwerpunkt der Anticaline liegt bei Atemwegserkrankungen. „Es werden Medikamente entwickelt, etwa bei Lungenfibrosen oder auch Asthma, die inhaliert und nicht mehr injiziert werden müssen. Es geht hier nicht um Generika, sondern um innovative Medikamente“ so Kaufmann.                                         Sabina Brosch

Topnews, Wirtschaft

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