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Josef Niedermair – Abschied nach 36 Jahren im Gemeinderat

Der zweite Bürgermeister blickt mit dem HALLBERGER auf sein politisches Leben zurück

Josef Niedermair
Josef Niedermair
© Fotograf

Josef Niedermair (62) war 36 Jahre Gemeinderat, 12 Jahre zweiter Bürgermeister und 18 Jahre lang Kreisrat. Nun verabschiedet sich das CSU-Urgestein von der politischen Bühne. Gezwungenermaßen sang- und klanglos, weil es wegen der Corona-Beschränkungen keine Sitzung des „alten“ Gemeinderats mehr gibt. DER HALLBERGER wollte Sepp Niedermair freilich so nicht gehen lassen – und hat mit ihm über seine Politkarriere, über gute und schlechte Zeiten und seine Zukunft im politischen Ruhestand gesprochen. 

DER HALLBERGER: Sie sind 1984 in den Gemeinderat eingezogen. Erinnern Sie sich noch gerne zurück?
Josef Niedermair: Ja, natürlich. Ich war damals 26 Jahre alt und jüngster Gemeinderat. Reinhold Stegschuster, Sebastian Hausler und ich haben als JU’ler für die CSU drei Mandate gewonnen. Damals hat sich ein Generationswechsel vollzogen. Eine ähnliche Situation haben wir heute wieder. Die Bürgermeisterwahl hat damals Manfred Pointner (FW) gegen Georg Förg (CSU) ganz knapp für sich entschieden. Anders als ich damals erwartet hätte, wurde aber nicht Förg Vize-Bürgermeister sondern Herbert Kollmannsberger (Einigkeit).

HALLBERGER: Sie haben 1984 auch einen Referentenposten besetzen dürfen.
Niedermair: Man hat mich gleich zum Jugendreferenten gemacht. Ein großes Thema war damals der Wunsch der Jugend nach einer BMX-Strecke. In der Nähe des Wertstoffhofs konnten wir schließlich einen Parcours einrichten. Das erste Highlight meiner politischen Laufbahn. In dieser Zeit haben wir uns auch erste Gedanken über die Einrichtung eines Jugendtreffs (JUZ) gemacht.

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HALLBERGER: Sie mussten auch schwierige Entscheidungen treffen und vertreten.
Niedermair: Das bleibt nicht aus. Ich erinnere mich, dass ich seinerzeit für eine Sperrzeitverkürzung für den Mooskeller gestimmt habe. Weil ich für die Jugend etwas bewirken wollte und die Ansicht vertrat, dass sie länger im Ort ausgehen sollten – und nicht nach München oder Freising fahren müssen. Dafür bin ich am nächsten Sonntag in der Kirche von Anliegern ordentlich geschimpft worden. Aber das ist das Los eines Gemeinderats: Man muss mitunter auch mal unpopuläre Entscheidungen treffen. Und allen kann man es sowieso nicht recht machen.

HALLBERGER: Sie haben ihre ersten politischen Schritte noch im Alten Rathaus gemacht. Was hat sich seither verändert?
Niedermair: Zum einen natürlich die Lokalität: Der erste Sitzungssaal war im ersten Stock des Alten Rathauses, später dann im Erdgeschoss – dort wo heute die Musikschule übt. Übergangsweise waren wir auch mal im Feuerwehrstüberl. Der Sitzungssaal im neuen Rathaus ist also meine vierte Station.

HALLBERGER: Mit dem Rathausbau sind allerdings auch Negativ-Schlagzeilen verbunden.
Niedermair: Der Baustopp in der Ortsmitte im Oktober 2000 und alles, was da seinerzeit ablief, war definitiv die unrühmlichste Periode, die ich erlebt habe. Bei der Standort-Entscheidung für die Mittelschule waren wir von der CSU eigentlich nur Statisten. Die FW hatten die absolute Mehrheit. Und da haben wir dann anderthalb Stunden im Rat darüber diskutiert – und vorweg war die Presse schon informiert worden, welcher Standort es werden würde. Sowas bleibt auch hängen.

HALLBERGER: Und die positiven Highlights?
Niedermair
: Da gab es eine ganze Menge. Der Bau von Grundschule, Kindergarten Sonnenschein und Hallberg-Halle zu Beginn der 1990’er-Jahre. Die Flughafen-Einweihung 1992. Einen Meilenstein markiert der Bau des Sportpark- und Freizeitparks, den ich immer unterstützt habe. Es hat sich gezeigt, wie wichtig er für unsere Sportvereine ist. Genauso wie der Bürgerpark für Erholungssuchende.

HALLBERGER: Sie waren zwölf Jahre lang 2. Bürgermeister. Wie fällt ihre persönliche Bilanz aus?
Niedermair: Ich hoffe, dass ich einen guten Job gemacht habe. Aber das können andere sicher besser beurteilen. Ich habe mich immer um Neutralität bemüht und ich denke, das wurde von den Ratskollegen auch honoriert. Es ist ja durchaus ungewöhnlich, dass die CSU den ersten und zweiten Bürgermeister stellt. Das sehe ich als Vertrauensbeweis. Es waren verantwortungsvolle Aufgaben, sei es als Vertreter des ersten Bürgermeisters oder als Gesprächspartner bei wichtigen Projekten wie beispielsweise der Architektenauswahl für das Mehrgenerationen-Wohnen.

HALLBERGER: Vor welchen Herausforderungen sehen Sie nun ihre Nachfolger im Gemeinderat?
Niedermair: Die städtebauliche Entwicklung wird sicherlich ein großes Zukunftsthema. Mir war immer wichtig, den ländlichen Charakter der Gemeinde zu erhalten. Andererseits ist Wohnraum und Bauland rar. Da verändern sich die Perspektiven drastisch. Da muss man mitgehen und die Bebauung, dort wo’s möglich ist, verdichten.

HALLBERGER: Ihre Amtszeit endet sang- und klanglos, weil zuletzt ja nur noch der Ferienausschuss tagt. Bedauern Sie das?
Niedermair: Ich habe mir das freilich anders gewünscht. Aber dass es jetzt so kommt, ist halt der blöden Zeit geschuldet. Irgendwann wird die Verabschiedung nachgeholt, aber das ist nicht dasselbe. Ich hätte freilich noch in den Ferienausschuss kommen können. Aber das überlasse ich lieber jenen, die auch im neuen Gemeinderat Entscheidungen treffen. Ich habe überlegt, ob ich am 5. Mai, wenn der neue Gemeinderat seine Arbeit aufnimmt, als Besucher komme. Aber da die Zuschauerplätze begrenzt sein werden, sollten dort die Angehörigen der neuen Rätinnen und Räte Platz nehmen. Die wollen den feierlichen Moment sicher miterleben.

HALLBERGER: Wie geht es nun weiter? Bleiben Sie der Politik noch in irgendeiner Form erhalten? Was machen Sie mit der dazugewonnenen Freizeit?
Niedermair: Ich bleibe weiterhin an der Politik interessiert und werde meine Meinung natürlich auch äußern. Aber entscheiden sollen nun andere. Was die Freizeit angeht: Ich würde gerne die VfB-Kegel-Abteilung weiterführen. Das ist eine große Aufgabe, erst recht, wenn wir in die 1. Bundesliga aufsteigen. Und in ein paar Wochen kommt unser fünftes Enkelkind auf die Welt. Da bin ich froh, mir mehr Zeit nehmen zu können. Und ein bisserl bleibt dann auch noch fürs Radfahren. Da freu ich mich auch drauf.

(eoe)

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