Jäger retten Rehkitze vor dem Mähtod

Modernste Drohnentechnik eingesetzt

Jedes Frühjahr sterben tausende Rehkitze in Deutschland einen grausamen Tod: Sie werden bei der ersten Wiesenmahd von den Messern der Mähmaschinen erfasst und verenden qualvoll. Dank moderner Drohnentechnik können die jungen Tiere nun besser aufgespürt und gerettet werden als früher. Am Brandstadl schwärmten nun Jäger und Ehrenamtliche vom Jagdschutz und Jägerverein Freising Stadt und Land e.V. aus. Sie konnten sechs Rehkitze retten.

Jagd heißt für die Frauen und Männer auch Natur- und Tierschutz, die Kitzrettung ist ihnen eine Herzensangelegenheit. Dies unterstreicht Franz Kraft, der Jagdpächter des Reviers am Brandstadl. Anlass für den Einsatz der zehn Frauen und Männer war die anstehende Mahd eines Gebiets nahe den Isarauen, das das Gut Hohenkammer für den Bioanbau und Betrieb einer Biogasanlage gepachtet hat. Die Drohnenpilotinnen stellt der Jagdverein.

Exakte Vorbereitungen notwendig

„Um den Einsatz, verfügbare Drohnen und die Flugrouten mit dem nahegelegenen Airport zu koordinieren, sollte die Mahd möglichst frühzeitig beim Verein angemeldet werden“, erläutert Alexander Franckenstein das Prozedere. Der Hallbergmooser ist stellvertretender Vorsitzender der Freisinger Jäger. Er hat das Drohnen-Projekt initiiert und den Einsatz in Hallbergmoos organisiert.

- Anzeige -

Große Gefahr für die Rehkitze geht von den Mähwerken aus: Die im hohen Gras liegenden Kitze werden von den Messern der Mähmaschine erfasst und verenden dann qualvoll.

Kein Fluchtreflex

„Bei der Anmeldung und Terminabstimmung hat Hohenkammern vorbildlich gehandelt“, lobt Revierpächter Franz Kraft das Miteinander. Einmal musste man ihn mangels Kapazitäten den Termin verschieben, ehe man schließlich in der Morgendämmerung zur Kitzrettung aufbrechen konnte. Da ein Rehkitz in den ersten Lebenswochen nicht flüchtet, sondern sich bei Gefahr reflexartig noch tiefer in sein Versteck drückt, ist die moderne Drohnen-Wärmebildtechnik Gold wert.

Vier Drohnen und 13 Piloten

Vier Drohnen und 13 Piloten sind für den BJV ehrenamtlich im Einsatz. An jenem Morgen, gegen fünf Uhr früh, lenken Stephanie Wollena und Jessica Blecher die mit Wärmebildkamera und GPS ausgestatteten Fluggeräte. Während die Drohne das Gelände abfliegt, warten die Helfer auf ihren Einsatz: Sobald ein Fund gemeldet wird, nehmen sie die Tiere auf und bringen sie an einen sicheren Ort.

Um fünf Uhr morgens machten sich (v.l.) Alexander Franckenstein, Sebastian Griese, Marcus Mey, Gottfried Sedelmeier, Xaver Kraft, Karl Vogt und (vorne) die Drohenpilotinnen Viktoria Schall und Stephanie Wollena zur Rehkitz-Rettung auf.

Nicht anfassen

Wichtig ist dabei vor allem eines: Ein Rehkitz darf unter keinen Umständen mit der Hand angefasst werden, sonst erkennt die Mutter es am Geruch nicht wieder und nimmt das Jungtier nicht mehr an. Die Ehrenamtlichen tragen deshalb Handschuhe und kleiden die Wäschekörbe, unter denen die Tierbabies vorübergehend Unterschlupf finden, mit Gras aus. Es sollte möglichst wenig Zeit zwischen der Bergung der Jungtiere, dem Mähen und der Freilassung nicht vergehen. „Die Mütter finden dann ihre Kitze problemlos wieder. Am Geruch und Ruf der Kitze“, weiß Kraft. In der Regel dauert die Aktion eine bis anderthalb Stunden.

„Alle Beteiligten machen das mit viel Herzblut. Es ist nicht selbstverständlich, dass man das ehrenamtlich in aller Herrgottsfrüh vor seinem Arbeitstag macht“, dankte Kraft seinen Kollegen Gottfried Sedlmeier, Marcus Mey, Karl Vogt, Xaver Kraft, Sebastian Griese, Alexander Franckenstein, Viktoria Schall und den beiden Drohnenpilotinnen.

Reportagen, Topnews

Dieser Artikel erscheint in der Ausgabe:

- Anzeige -
Die jüngsten Ausgaben

Beitrags Archive

Neueste Artikel
- Anzeige -

Das könnte Sie interessieren

Das Neueste aus Hallbergmoos

Weitere Artikel