Heimat- und Traditionsverein behält seinen Namen

Hitzige Auseinandersetzung beim Jahrestreffen

Die Entscheidung ist gefallen: 40 Mitglieder stimmten für die Beibehaltung des Vereinsnamens. Bei der Auszählung (v.l.) Pfarrer Thomas Gruber, Gemeinderat Stefan Kronner (Wahlleiter), Steffi Bernauer und Karl-Heinz Zenker. © Eva Oestereich

Der Richtungsstreit ist entschieden: 40 von 50 anwesenden Mitgliedern stimmten beim Jahrestreffen für die Beibehaltung des Vereinsnamens „Heimat- und Traditionsverein“.  Vorausgegangen war eine turbulente Debatte. Im Mittelpunkt: Sebastian Hausler (69), der fordert den Verein in „Krieger-, Soldaten- und Heimatschutzverein“ umzubennen. Er, seit 48 Jahren Vereinsmitglied, beruft sich auf die seit 2022 veränderte weltpolitische Lage und fordert eine Rückkehr zum ursprünglichen Vereinszweck – und zugleich eine stärkere Würdigung von Veteranen und Bundeswehrsoldaten, eine aktivere Rolle des Vereins in der Friedensarbeit unter Einbeziehung ziviler Organisationen wie THW oder Freiwillige Feuerwehren.

Hausler wird mehrfach unterbrochen

Doch schon nach wenigen Sätzen wird Hausler unterbrochen. Josef Moos, kommissarischer Vorsitzender, sagt: „Der Leberkäs wird sonst kalt“. Es ist der erste von mehreren Unterbrechungen, die zeigen: Von respektvoller Debattenkultur halten Moos und sein Mitstreiter Karl-Heinz Zenker nicht allzu viel.

Sie fallen Hausler mehrfach ins Wort: „Jetzt lasst ihn doch mal ausreden. Oder habt’s Angst davor?“, hört man eine weibliche Stimme aus den Besucherreihen. Die Kritik aus der Mitgliedschaft ist unüberhörbar.

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Vorstand unterstellt Hausler „politische Motive“

Moos und der ehemalige Vorsitzende Zenker werfen Hausler vor, politische Motive zu verfolgen. Der Verein sei „parteipolitisch neutral“, betonen sie. Hausler, so der Vorwurf, der am Kern der Debatte vorbei geht, verbreite „überwiegend Fake News“. Zenker: „Herr Hausler sagt, er ist mit 69 Jahren das jüngste Mitglied. Wir haben70 Mitglieder, die jünger sind als er.“ Aktuell gehören laut Zenker 38 Soldaten dem Verein an, drei Viertel der Mitglieder sind Zivilisten.

Stabil aufgestellt mit 160 Mitgliedern

Zenker betont, mit 160 Mitgliedern sei der Verein stabil aufgestellt. Seit der Öffnung für Frauen im Jahr 2000 habe man 104 Neumitglieder geworben – davon 83 von ihm selbst. 54 Frauen sind darunter. Zenker warnte vor den praktischen Konsequenzen einer Namensänderung: Eine zwei Drittel der Mehrheit wäre nötig, außerdem neue Satzung, neue Fahne, neue Vereinskleidung: „Wir müssten dafür unser gesamtes Vereinsvermögen, rund 11 000 Euro, verbraten.“ Und: Die aktuelle Vorstandschaft stünde nicht mehr zur Verfügung.

Zenker erzählt seine Version der Vereinsgeschichte, beruft sich auf die kontinuierliche Gedenkarbeit, verweist auf Gottesdienste und seine historischen Sammelblätter. Doch auch er wird unterbrochen – diesmal von protestierenden Mitgliedern, die genug haben von seinen Ausführungen.

„Bitte hier nicht zerfleischen“

Die Debatte drohte zu eskalieren. Anni Schäfer gießt noch Öl ins Feuer, als sie sagt, Hausler wolle den Verein „durch die Hintertür kapern“. Hans Hartshauser, Bundeswehrsoldat a.D., mahnt zur Mäßigung: „Bitte hier nicht zerfleischen!“ Gemeinderat Stefan Kronner gibt Hausler angesichts der Weltlage in gewisser Weise recht, Bürgermeister Josef Fischer appelliert an den Zusammenhalt.

Applaus erntet das jüngste Vereinsmitglied: Alexander Bernauer (18) betont, dass der Begriff Krieg junge Leute eher abschreckt. Und er kritisiert: „Es regt mich auf, wenn Alte über unsere Zukunft abstimmen.“ Er übernimmt Verantwortung – und wird einstimmig per Akklamation zum Schriftführer gewählt.

In geheimer und schriftlicher Wahl wurde die Entscheidung über die Namensänderung durchgeführt – mit eindeutigem Ergebnis: 40 Mitglieder stimmten dagegen, acht dafür, drei Stimmen waren ungültig.

Die nach dem Ausscheiden von Oliver Gebauer (1. Vorsitzender) notwendigen Nachwahlen bestätigten den kommissarischen Vorsitzenden Moos als neuen Vereinschef. Eine empfindliche Schlappe musste Zenker in der Entscheidung um den Stellvertreter-Posten einstecken: 27 Mitglieder gaben für Karin Eigeldinger ihre Stimme ab, Zenker erhielt 19 Stimmen – bei drei Enthaltungen. Eigeldinger gehörte dem Vorstand schon einmal als Beisitzerin und 2. Vorsitzende an. Sie war nach ihrer Spontankandidatur – „um Ruhe reinzubringen“ – vom Wahlsieg sichtlich überrascht. Bei der Beisitzer-Nachwahl setzte sich Heidi Gruber (32) gegen Waltraud Beck durch. Thomas Bernauer ist neuer weiterer Kassenprüfer.

Schlappe für Zenker

Eine fragwürdige Satzungsänderung wollten Moos und Zenker am Ende der Versammlung noch durchdrücken: Demnach sollten künftig Anträge auf Satzungsänderungen eine schriftliche Begründung enthalten – einschließlich der Darstellung möglicher Auswirkungen auf die Kassenlage – und zudem von mindestens zehn Prozent der Mitglieder unterzeichnet sein.

Einschränkung von Antragsrechten

Vor der Beschneidung eines Kernrechts von Mitgliedern warnte Reinhold Stegschuster: „Wir dürfen einzelne Meinungen aus Anlass dieser Debatte nicht beschneiden“, unterstrich er. Die große Mehrheit der Anwesenden schloss sich dieser Auffassung an. Der Antrag des Vorstands fiel deutlich durch – lediglich drei Mitglieder stimmten dafür.

Nachwahlen: Für drei Jahre gehören nun (v. l.) Alexander Bernauer (Schriftführer), Thomas Bernauer (Kassenprüfer), Karin Eigeldinger (2. Vorsitzende) und Josef Moos (1. Vorsitzender) dem Vorstand an. © Eva Oestereich
Am Rande der turbulenten Jahreshauptversammlung wurden langjährige Mitglieder geehrt (v.l.): Josef Fischer gehört dem Verein seit 25 Jahren an. Auf stolze 50 Jahre bringen es Johann Kronast und Gottfried Sedlmeier. Anita Meyr und Elfriede Niedermair sind dem Verein seit 15 Jahren treu. Hans Hartshauser ist seit 25 Jahren Vereinsangehöriger. © Eva Oestereich
Gesellschaft, Topnews

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