Lidl darf in Hallbergmoos seine Planungen für eine Filiale vorantreiben. Die von der Gemeinde in Auftrag gegebene Nahversorgungsanalyse sieht keine Gefahr für bestehende Märkte, weshalb der Gemeinderat dem Projekt zustimmte. Als nächstes wird über die Größe und Gestaltung des Neubaus beraten.
Die Gemeinde ist, was die Versorgung angeht, gut aufgestellt. Doch es ist noch Raum für einen Discounter, der eine Anbieterlücke schließt. Zu diesem Ergebnis kommt die Nahversorgungs- und Auswirkungsanalyse der CIMA Beratung + Management GmbH. Untersucht wurde das Ansiedlungsvorhaben des Lebensmitteldiscounters Lidl an der Hauptstraße im Ortsteil Goldach. Die Kernaussage: Ein moderner Discounter dieser Größenordnung schließt eine reale Versorgungslücke, ohne bestehende Strukturen zu gefährden.
Lidl hat im September 2024 ein Konzept für eine Filiale mit 1400 bis 1500 Quadratmetern Verkaufsfläche vorgestellt (DER HALLBERGER berichtete). Der Gemeinderat hat seine Entscheidung von der CIMA-Studie, die Lidl in Rechnung gestellt wird, abhängig gemacht.
Das Ergebnis: Das Projekt ist städtebaulich verträglich, wirtschaftlich plausibel und versorgungspolitisch sinnvoll. Bürgermeister Benjamin Henn (FW) betonte vorab, Ziel der Sitzung sei nicht die Diskussion von Baufragen, sondern die grundsätzliche Verträglichkeit.
Kaufkraft aus Ismaning, Neufahrn und Erding „zurückholen“
Gutachter Christoph Hübner führte aus, was die Zahlen hergeben: Hallbergmoos ist zwar rechnerisch ausreichend versorgt, mit 0,41 Quadratmetern Verkaufsfläche pro Einwohner aber leicht unter Bundesdurchschnitt (0,44). Vollsortimenter wie Edeka und Rewe seien präsent, doch Discounter fehlten im Ortskern. Penny und Netto liegen im Munich Airport Business Park – verkehrstechnisch angebunden, fußläufig jedoch für viele Bürger eine Zumutung. Marktführer wie Lidl oder Aldi: Fehlanzeige. Die Folge: Kaufkraft fließt nach Ismaning, Neufahrn oder Erding ab.
Marktführer wie Lidl oder Aldi fehlen bislang – ein erheblicher Teil der Kaufkraft wandert daher aktuell in Nachbarkommunen wie Ismaning, Neufahrn oder Erding ab.
Weder zentrale Versorgungsbereiche noch die verbrauchernahe Versorgung würden durch das Vorhaben beeinträchtigt, so das CIMA-Fazit. Die prognostizierten Umsatzverlagerungen von etwa 9,2 Millionen Euro resultieren überwiegend aus zurückgewonnener Kaufkraft.
Mit geschätzten 11 Millionen Euro Jahresumsatz könne der Lidl-Markt rund 20 Prozent der lokalen Lebensmittelkaufkraft binden. Auch die Ortsmitte bleibe laut Studie stabil, selbst wenn dort bis zu 10 Prozent Umsatzverlagerung zu erwarten sei. Einzelbetriebliche Risiken seien möglich, für die Gesamtversorgung aber unerheblich. „Das ist klassischer Wettbewerb“, sagte Hübner.
Mehr Versorgungsbedarf in wachsender Gemeinde
Bürgermeister Henn sieht darin eine klare Entscheidungsgrundlage. Ähnlich äußerte sich Stefan Kronner (Referent für Ortsentwicklung, SPD): Die Ansiedlung passe zu einer wachsenden Gemeinde, mit der steigenden Bevölkerungszahl vergrößere sich auch der Versorgungsbedarf. Wirtschaftsreferent Marcus Mey (CSU) sieht mit der Studie bestätigt, „was wir alle schon geahnt haben.“ Er betonte, die Gemeinde könne und dürfe nicht steuern, wo Menschen einkaufen: „Wir haben eine freie Marktwirtschaft.“ Ein zusätzlicher Anbieter erweitere lediglich das Angebot.
Keine Einbußen für Goldachmarkt
Markus Loibl (Einigkeit) zeigte sich erleichtert, dass laut Studie der familiengeführte Goldachmarkt – etwas weiter östlich in der Hauptstraße gelegen – keine größeren Einbußen befürchten müsse.
Kritisch äußerte sich Sabina Brosch (Grüne) mit Blick auf Flächenverbrauch und die Parkplatzgestaltung: Einige Stimmen im Rat hatten schon im Vorfeld 113 Stellplätze als überdimensioniert bewertet. Brosch beantragte, die Gemeinde solle sich bei der weiteren Planung Spielraum für Anpassungen offenhalten.
Der Gemeinderat stimmte schließlich mit großer Mehrheit (17:2) dafür, das Vorhaben grundsätzlich weiterzuverfolgen und ein Bebauungsplanverfahren einzuleiten – ohne starre Festlegung auf das von Lidl vorgestellte Baukonzept. Damit ist die Richtung vorgegeben, die konkrete Ausgestaltung aber noch offen.
