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Christian Weber – Landwirt und Tüftler

Digitalisierung findet auch auf dem Acker statt

Ein eingespieltes Team am Marktstand: Christian Weber und seine Tante Mathilde. © Beate Bodenschatz

Immer Donnerstag ist auf dem Hof der Familie Weber viel los. Zahlreiche Kunden kommen ab 14 Uhr, um am großen Gemüsestand frische, regionale Gemüseprodukte aus eigenem Anbau zu kaufen. Und dies nutzen nicht nur Kunden aus Hallbergmoos, man kommt auch aus umliegenden Ortschaften, weil man das Angebot schätzt.
Der 34-jährige Christian Weber hat mit Leib und Seele den Platz seines Vaters Rudolf eingenommen – in vierter Generation, obwohl das anfänglich nicht so geplant war. Aufgewachsen mit vier Geschwistern, machte er eine Ausbildung als Kfz-Mechaniker. Der ältere Bruder Josef sollte den elterlichen Hof übernehmen. Nachdem dieser bei einem Autounfall tödlich verunglückte, nahm Christian den Platz als Hofnachfolger ein. Er schloss ein Studium als staatlich geprüfter Wirtschafter für Landbau ab und übernahm den Hof.

Große Vielfalt an Gemüse und Salat


Und er hat das Angebot an Produkten erweitert, ohne dabei sein Faible für Maschinen und Motoren ganz außer Acht zu lassen. Sechs Traktoren in allen Größen und Fabrikaten stehen auf dem Hof, einer sogar mit 190 PS. Und dann gibt es noch jede Menge andere Maschinen vor Ort, die man zum Pflanzen, Hacken und Ernten braucht. Die Wartung übernimmt er selbstverständlich selbst. Es gibt keinen Defekt, den er als gelernter Mechaniker nicht beheben kann.
„Ich brauche alle meine Traktoren und Maschinen, um mein erweitertes Repertoire auf meinen Feldern anzubauen, zu pflegen und letztlich auch zu ernten. Das sind neben Kartoffeln, Karotten verschiedene Salat-, Kohl – und Krautsorten, Tomaten, Gurken, Paprika und Kräuter. Aber trotz aller Maschinen muss auch noch viel per Hand geerntet werden“, berichtet Weber.
Neben 20 Hektar Acker steht für den Anbau auch ein großes Gewächshaus zur Verfügung. Im Sommer werden darin Tomaten, Gurken und Paprika angebaut, im Winter und im Frühjahr verschiedene Salatsorten. Und zum ersten Mal baut der Jungbauer neben allem anderen auch Braugerste an.
„Dieses Jahr habe ich die Braugerste in meinen Anbauplan mit aufgenommen, um die Fruchtfolge noch weiter auszubauen. Das ist gut für den Ackerboden und Krankheiten und Schädlinge haben kein leichtes Spiel“, weiß Weber.

Precision Farming

Webers Arbeitstag beginnt morgens um 6 Uhr. Nur zwischen Weihnachten und März gibt es eine Pause. Da pflegt er sein großes Hobby: Er baut in Eigenregie satellitengestützte Lenksysteme für Traktoren. Zwei sind bereits auf dem eigenen Hof im Einsatz, ein drittes bei einem anderen Landwirt.
„Precision Farming ist im Kommen, die Digitalisierung macht auch auf dem Acker nicht halt. Ob beim Aussäen, Düngen oder Pflegen: Man kann einfach genauer und effizienter damit arbeiten“, erläutert der Landwirt.
Der Kauf ist für manchen zu teuer, die Höfe dadurch nicht immer rentabel. Also dann lieber Selfmade nach Bausatzangaben aus dem Internet. Für den gelernten Mechaniker und Hobby-Tüftler ist das kein Problem. Im Gegenteil, es macht ihm Spaß und wenn dann alles funktioniert, auch stolz.

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Auf dem Markt seit Generationen

Der Hausname des Hofes „Beim Schmied“ kommt vom Urgroßvater Nikolaus Weber, der in Hallbergmoos nicht nur eine kleine Landwirtschaft, sondern auch eine Schmiede betrieb. Eine Generation später ging Oma Wally nach München und verkaufte dort mit lautem Schellengeläut als Hausiererin das heimische Gemüse und ergatterte dann nach einiger Zeit einen festen Platz auf einem der damals neu gegründeten Münchner Wochenmärkte.

Die Tradition des Marktverkaufs wird auch von Christian Weber weitergepflegt: Viermal in der Woche fährt er auf Märkte in der Umgebung. Am Donnerstag verkauft er direkt ab Hof. Mit von der Partie ist immer Tante Mathilde. Sie führt ihm auch den Haushalt, in dem noch der 80jährigen Vater Rudolf lebt. Und oft kommt auch die 6jährige Tochter Magdalena zu Besuch.
Was wünscht sich ein junger engagierter Landwirt für die Zukunft? „Mein größter Wunsch für die ‚Nach-Corona-Zeit‘ ist es, dass der Blick des Verbrauchers geschärft bleibt auf regionale Produkte vor Ort. Und dadurch wird auch meine Arbeit als Landwirt geschätzt. Ich tue mein Bestes dafür!“

Beate Bodenschatz

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