Der Gemeinderat hat für 2026 einen „ehrlichen Arbeitshaushalt“ einstimmig verabschiedet: Ein Etat, der keine großen Sprünge erlaubt, aber Stabilität geben soll.
Als „ein Dokument der Sachlichkeit und finanziellen Realität“ charakterisierte Bürgermeister Benjamin Henn den 223-seitigen Haushaltsentwurf, den der Gemeinderat in seiner Sondersitzung (24. Februar) mit 23 zu 0 Stimmen verabschiedete. Es sei ein realistischer, ehrlicher Arbeitshaushalt, so der einhellige Tenor. Nicht mehr, aber auch nicht weniger.
Am 8. März wird ein neuer Gemeinderat gewählt, der im Mai seine Arbeit aufnimmt. Der scheidende Rat hält es deshalb für angemessen, keine langfristig bindenden Großprojekte mehr anzustoßen – und den Nachfolgern geordnete Verhältnisse zu übergeben.
„Wir sichern die Handlungsfähigkeit – aber ohne finanzielle Spielräume zu überdehnen.“
Bürgermeister Benjamin Henn (FW)
Dabei habe man, so der Bürgermeister, die Vorgaben des Gemeinderats konsequent umgesetzt. Heißt: Einsparungen von 20 Millionen Euro realisiert, Projekte nicht gestrichen, sondern priorisiert und die Personalentwicklung bewusst gesteuert.
Negatives Jahresergebnis, negativer Cashflow
Denn die Zahlen sind längst nicht mehr so rosig wie in den vergangenen Jahren und Jahrzehnten. Der Ergebnishaushalt schließt mit einem negativen Jahresergebnis von 15 Millionen Euro (Erträge: 51,8 Mio. €, Aufwendungen: 66,8 Mio. €). Der Cashflow aus der laufenden Verwaltungstätigkeit weist ein Minus von 6,36 Millionen Euro aus. Zu Jahresbeginn verfügt die Gemeinde über 49,4 Millionen Euro an liquiden Mitteln, zum Jahresende werden es noch 23,1 Mio. € sein.
Schwer ins Gewicht fällt die Kreisumlage (19,86 Mio. €), die heuer mit 15,63 Mio. € kassenwirksam wird. Allein 5,12 Millionen Euro entfallen auf Abschreibungen. Hinzu kommt, dass man den Instandhaltungsstau an kommunalen Gebäuden abbauen muss. Neue Kredite sind nicht vorgesehen.
Dass der Haushalt unter Druck steht, ist maßgeblich SAP geschuldet: Der Weggang des Softwarekonzerns hat eine spürbare Lücke in die Gewerbesteuereinnahmen gerissen. Für 2026 kalkulierte die Gemeinde mit 23 Millionen Euro, mittelfristig nur noch mit 20 Millionen Euro. Henn räumte ein: „Die dauernde Leistungsfähigkeit ist bei diesem Ansatz nicht gesichert.“ Im Haushaltsjahr 2025 wurden noch 27,66 Mio. € vereinnahmt, die Gemeinde profitierte hier von Nachzahlungen der Eurofighter GmbH, der Panavia Aircraft, der Flughafen München GmbH und von SAP.
Gezielte Steuerung: Stellenplan ohne außergewöhnlich Steigerungen
Trotz neuer Aufgaben – darunter für die Kläranlage, Finanzverwaltung und das Veranstaltungs- und Klimaschutzmanagement – liegen die Personalkosten 2026 bei 9,78 Mio. € (+ 7 %). Sie steigen mittelfristig auf 10,46 Mio. €. Henn bewertete dies als Erfolg gezielter Steuerung: „Wir haben keine außergewöhnlichen Steigerungen, wie sie in den Jahren zuvor üblich waren.“ Auch die jährlich rund sechs Millionen Euro für die Kinderbetreuung blieben unangetastet; freiwillig steuert die Kommune zusätzlich 1,5 Mio. € für Fachkräfteprogramme und Ausbildungsförderung bei. Damit gelingt es, wie Henn nicht ohne Stolz sagte, „im Gegensatz zu anderen Kommunen den Rechtsanspruch auf Ganztagesbetreuung zu garantieren.“
Stimmen aus den Fraktionen: Ehrlich und realistisch
Die Fraktionssprecher schlossen sich in der Bewertung des Etats dem Rathauschef weitestgehend an. CSU-Sprecher Damian Edfelder sprach von der „Endbilanz einer ganzen Wahlperiode“, in der man viel erreicht habe – von der Wohnraumschaffung über den Bau des Goldacher Feuerwehrhauses bis hin zur Grundschulerweiterung. Markus Loibl, Sprecher der Einigkeit, nannte den Haushalt „ehrlich und realistisch“, warnte aber davor, freiwillige Leistungen vorschnell zu streichen – denn genau sie machten die Gemeinde lebenswert. Zugleich mahnte er:
„Wir leben noch von den fetten Jahren der vergangenen Periode.“
Stefan Kronner (SPD) erkannte im Haushalt „nichts Dramatisches“ und regte zugleich an, eine Prioritätenliste zu erstellen. Sabina Brosch (Grüne) erinnerte daran, dass solide Haushaltsführung und soziale wie ökologische Ausgewogenheit kein Widerspruch seien. Eine wirksame Wirtschaftsförderung zur Gewinnung neuer Gewerbesteuerzahler habe oberste Priorität. Thomas Henning (FW) wollte die negativen Zahlen nicht ohne positiven Gegenwert betrachten:
„Wir haben Vermögen aufgebraucht, aber dafür Vermögen geschaffen – für die nächsten Generationen.“
Am Ende stand ein stimmiges Votum (23:0), viel Lob für Kämmerer Thomas Grüning und sein Team – verbunden mit der klaren Botschaft an den neuen Gemeinderat: Wer ab Mai mitgestalten will, braucht Disziplin. „Der neue Rat erhält eine realistische Ausgangsbasis – mit klar benannten Risiken, offenen Verpflichtungen und transparent dargestellten Folgekosten“, so Henn.
Hallbergmoos investiert 2026 knapp 25 Millionen Euro
Die Gemeinde plant für das laufende Jahr Investitionen von 24,62 Millionen Euro – ein ambitioniertes Programm, das von der Feuerwehr bis zur Grundschule reicht.
Größter Einzelposten im Hochbau sind 5,35 Mio. € für den Neubau des Goldacher Feuerwehrhauses. Außerdem fließen 1,2 Mio. € in die Generalsanierung der Grundschule (Gesamtvolumen: 3,48 Mio. €) und 1,37 Mio. € in das gemeindliche Wohnhaus an der Predazzoallee. Ein Fotovoltaikanlage für die Kläranlage schlägt mit 600.000 Euro zu Buche, der Rathausumbau mit 400.000 Euro.
Im Tiefbau sind 2,7 Mio. € für den Ausbau der Theresienstraße im Bereich Hallbergmoos-Mitte vorgesehen. Für den Breitbandausbau kalkuliert man mit 1,2 Mio. €. Die Sanierung der Schmidstraße ist mit 600.000 Euro veranschlagt. Hinzu kommen die Außenanlagen des Kindergartens Sonnenschein und der Ersatzneubau der Luitboldbrücke mit jeweils einer halben Million Euro.
Dem Gesamtvolumen von 33 Mio. € (Zeitraum 2026 bis 2029) stehen Einnahmen aus Investitionen von rund fünf Millionen Euro gegenüber – vornehmlich aus Grundstücksverkäufen und Förderzuwendungen.
