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Der Schmidmeier-Hof – Landwirte aus Leidenschaft

Spezialisten für Kräuter und Schnittsellerie

Claudia, Sabrina, Veronika und Bernhard Schmidmeier führen im Brandstadlweg den auf Schnittsellerie spezialisierten Hof in Hallbergmoos. Foto: privat

Der Hallberger stellt in Folge verschiedene landwirtschaftliche Betriebe vor, die ihre Produkte auch auf ­Wochenmärkten verkaufen – heute den Schmiedmeier-Hof in Hallbergmoos. Ehemals in der Auenstraße beheimatet, jetzt im Brandstadlweg

Gegründet vom Urgroßvater Johann mit Ehefrau Helene, dann übernommen vom Sohn Johann mit Ehefrau Inge, die bereits sehr früh verstarb. Johann führte dann den Hof mit seiner zweiten Ehefrau Antonie weiter. Und heute ist der Chef, der 58jährige Bernhard – unterstützt wird er von Ehefrau Claudia. Der Hof mit Viehhaltung baute früher die üblichen landwirtschaftlichen Produkte an, wie Kartoffeln, Karotten, Getreide und auch Pfefferminze.

Kräuteranbau statt Bullenhaltung

Bernhard tüftelte damals schon an einem Vollernter für Kräuter, den er in Eigenkonstruktion baute und man schaffte sich eine Trocknungsanlage an.

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In dieser Zeit musste man sich von der Bullenmast verabschieden. Für Bernhard ein trauriger, aber wichtiger Schritt: „Ich musste mich entscheiden – entweder die Bullen weiter zu halten oder keine Kräuter mehr anzubauen. Beides miteinander war vom Arbeitspensum nicht mehr zu vereinbaren.“

Petersilie und Dill zum Beispiel konnten nicht mehr auf den Feldern angebaut werden, auf denen die Gülle der Bullen aufgebracht worden ist.

Gülle ist zwar eine natürliche Nährstoffquelle, aber nicht für empfindliche Gewürzkräuter. Denn sie erhöht deren Keimzahl. Auch sollten keine Keime in die Trocknungshalle gelangen – mit Viehhaltung also nicht machbar. „Ist die Trocknungsanlage einmal kontaminiert, ist der Aufwand, die Anlage zu waschen und wieder keimfrei zu bekommen, riesengroß.“

Spezialisierung auf Schnittsellerie

2003 entschieden sich Bernhard und Claudia auszusiedeln und bauten im Brandstadlweg eine neue Hofstelle mit einer noch größeren Trocknungshalle. Seit 2018 sind sie ausschließlich auf den Anbau von Schnittsellerie spezialisiert. Die Nachfrage in der Lebensmittelindustrie ist da sehr groß.

„Allergenhaltiger Schnittsellerie ist in vielen Lebensmitteln, wie Salatsoßen, Suppen oder Gewürzmischungen enthalten. Wir verarbeiten jährlich ca. 40 Tonnen davon. Die Ernte wird 90 Minuten lang auf 100 Grad erhitzt und getrocknet, um die Ware haltbar zu machen. Danach wird alles im Labor mikrobiologisch untersucht, um die Lebensmittelsicherheit zu gewährleisten.“

Die Töchter Veronika und Sabrina haben die Liebe und die Leidenschaft für Acker- und Maschinenbau vom Vater geerbt. Die 25jährige Veronika, die die Hofstelle irgendwann ganz übernehmen möchte, studierte Agrarmarketing und Management und schloss mit einem Masterstudium ab. Die 22-jährige Sabrina machte eine Lehre zum Mechatroniker und studiert nun Wirtschaftsingenieurwesen.

„Unser Vater hat uns immer erzählt, wie gut wir es haben, dass wir in so einer ländlichen Idylle aufwachsen, in der wir auch arbeiten können und dürfen. Heute sehe ich das genauso und bin froh, dass ich den Hof mal übernehmen kann“, so Veronika.

Zwei Hofstellen in der Zukunft

Sie stemmt zusammen mit den Eltern, der Schwester und einem Saisonarbeiter den 12 Hektar großen Hof. Schon jetzt eine große Verantwortung für die junge Frau, die dabei auch von ihrem baldigem Ehemann Markus Loibl unterstützt wird.

„Markus und ich helfen uns gegenseitig bei der Feldarbeit.  Er selbst bewirtschaftet mit seinen Eltern eine eigene Hofstelle. Das Miteinander klappt schon jetzt richtig gut.“

Einig sind sich Zwei, die sich beim Bandltanz der Goldacher Burschen verliebt haben, dass beide Hofstellen auch nach der Hochzeit erhalten werden sollen.

„Der Loibl-Hof baut in der Hauptsache Futterkarotten für Pferdehöfe und Gemüse für die Direktvermarktung an und hat ein großes Blumenfeld zur Selbstbedienung angelegt – wir kommen uns da nicht ins Gehege.“

Die Eltern freuen sich über diese Entscheidung: „Wir haben uns das immer gewünscht, dass Veronika das Erbe in der vierten Generation weiterführt – und dass sie dabei so eine Leidenschaft für die Landwirtschaft entwickelt hat, ist einfach schön.“

Oldtimer-Bulldogs für Ausflüge

Für die Arbeit am Hof mit vier bis fünf Ernten im Jahr stehen neben sechs Traktoren der Marken Fendt und Schlüter auch Maschinen zum Säen, Hacken, Pflügen, Beregnen, Mähen und Ernten zur Verfügung. Und einige Geräte tüftelt und baut Vater Bernhard zwischendurch immer mal neu – zum Beispiel einen Reihendüngerstreuer, der Düngung und mechanische Unkrautbekämpfung in einem Arbeitsgang ermöglicht. Jetzt können auch Tochter Sabrina und Partner Markus Loibl beim Bau mithelfen – beide sind ja gelernte Mechatroniker.

Drei der Bulldogs sind Oldtimer und Vater Bernhard lässt es sich nehmen, auch mal einen Ausflug damit zu machen.

„Ich fahre zweimal im Jahr mit dem Bulldog weiter weg. Wir sind dann eine kleine Männertruppe und bereisen mit unseren Traktoren beispielsweise Südtirol oder auch die Nordseeküste.“

Der Arbeitstag beginnt mit der Kräuterverarbeitung bereits um fünf Uhr und endet oft erst nach der Ernte der Frischkräuter oder dem Befüllen und Abwiegen der 10-Kilo-Kräutersäcke für die Großhändler um 21 Uhr.

Die Wintermonate von November bis Ende Februar werden dazu genutzt, um alle Gerätschaften zu warten und wieder auf Hochglanz zu bringen – und natürlich auch für Urlaube. Da geht es dann schon mal per Flug weiter weg.

Man darf gespannt sein, welche Ideen beim Paar Schmidmeier/Loibl noch reifen und umgesetzt werden. Feststeht in jedem Fall, dass bei allem was sie tun, Freude und Leidenschaft mit von der Partie sind.

Wie hätte der griechische Philosoph und Gelehrte Aristoteles gesagt: ‚Freude an der Arbeit lässt das Werk trefflich geraten.“

Beate Bodenschatz

Gesellschaft, Leute

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